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11 Apr 2026

Die andere Hälfte der PrEP: der Quartalstermin

Gesundheit, Prävention, PrEP, Sexuelle Gesundheit 11 Apr 2026

Die Tablette ist der einfache Teil. Sie liegt neben der Zahnbürste, und nach ein paar Wochen denkst du nicht mehr darüber nach. Die andere Hälfte der PrEP steht im Kalender: ein Termin, ungefähr alle drei Monate, in der Praxis oder im Checkpoint. Er ist der Grund, warum der Schutz verlässlich bleibt.

Was dort passiert, ist kein Geheimnis, wird aber selten erklärt. Also einmal der Reihe nach.

Warum alle drei Monate

PrEP schützt vor HIV, solange du HIV-negativ bist. Eine unbemerkte Infektion lässt sich mit den Wirkstoffen der PrEP-Tablette nicht ausreichend behandeln, und das Virus kann Resistenzen entwickeln. Deshalb gibt es das nächste Rezept in der Regel nur mit einem aktuellen negativen HIV-Test. Der Rhythmus ist keine Bürokratie. Er ist die Sicherheitsleine.

Der zweite Grund: PrEP schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Viele davon verlaufen im Rachen oder im Enddarm ohne Beschwerden. Wer nur zum Test geht, wenn etwas brennt, übersieht einen guten Teil. Der feste Termin findet sie, bevor sie weiterwandern.

Was beim Termin passiert

Ablauf und Reihenfolge unterscheiden sich von Praxis zu Praxis. Der Kern ist überall ähnlich:

  • HIV-Test. Bei jedem Termin, als Grundlage für das nächste Rezept.
  • Syphilis. Per Blutprobe, meist im selben Zug.
  • Chlamydien und Gonorrhö. Abstriche aus Rachen und Enddarm, dazu eine Urinprobe. Die Abstriche nimmst du oft selbst, in wenigen Minuten und allein in der Kabine.
  • Nierenwert. Tenofovir, einer der Wirkstoffe, wird über die Nieren ausgeschieden. Deshalb wird regelmäßig das Kreatinin bestimmt. Wie oft, hängt von Alter und Vorbefunden ab.
  • Hepatitis. Zu Beginn wird geprüft, ob du gegen Hepatitis B geschützt bist. Falls nicht, folgt die Impfempfehlung. Hepatitis C wird je nach Situation in Abständen mitgetestet.

Dazu kommt ein kurzes Gespräch: Wie läuft die Einnahme, hat sich etwas verändert, brauchst du etwas anderes. Es ist auch der richtige Ort für die Fragen, die du sonst niemandem stellst. Wer dort arbeitet, hat sie alle schon gehört.

Täglich oder anlassbezogen: der Termin bleibt

Ob du PrEP täglich nimmst oder nach ärztlicher Absprache anlassbezogen, am Kontrollrhythmus ändert das wenig. Auch wer PrEP nur in bestimmten Phasen nutzt, lässt die Tests besser nicht ausfallen.

Pause und Neustart gehören ins Gespräch, nicht in die Schublade mit der alten Packung. Vor dem Wiedereinstieg steht ein neuer HIV-Test. Und wer eine chronische Hepatitis B hat, setzt PrEP nur mit ärztlicher Begleitung ab, weil die Wirkstoffe auch gegen das Hepatitis-B-Virus wirken.

Was es kostet

Deutschland: Seit September 2019 ist PrEP für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko ab 16 Jahren eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Beratung, Kontrolluntersuchungen und Medikament sind abgedeckt, für das Rezept fällt die übliche Zuzahlung an. Verschreiben dürfen Ärzt:innen mit entsprechender Qualifikation, HIV-Schwerpunktpraxen sind darauf eingestellt. Privat Versicherte klären die Erstattung direkt mit ihrem Versicherer.

Österreich: Seit April 2024 beteiligt sich die Sozialversicherung mit einem Zuschuss an den Kosten. Die Regelung wurde befristet eingeführt. Wie die Einreichung läuft und was aktuell gilt, wissen die Aidshilfen.

Schweiz: Seit Juli 2024 übernimmt die Grundversicherung PrEP samt Beratung und Labortests, wenn die Begleitung über Ärzt:innen im Programm SwissPrEPared läuft. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jeder anderen Behandlung. Auch hier wurde die Regelung befristet eingeführt. Den aktuellen Stand kennen die Aids-Hilfe Schweiz und die Checkpoints.

Damit der Termin von allein passiert

Verpasste Termine sind fast immer ein Kalenderproblem, kein Willensproblem. Ein paar Gewohnheiten nehmen dir die Arbeit ab:

  • Den nächsten Termin vereinbaren, bevor du die Praxis verlässt.
  • Die Erinnerung zwei Wochen vor Ende der Packung setzen, nicht am letzten Tag.
  • Feste Monate wählen, etwa Januar, April, Juli und Oktober. Dann rechnest du nicht mehr.
  • Befunde und Impfungen an einem Ort sammeln, damit ein Praxiswechsel nicht bei null beginnt.

Am Ende ist der Quartalstermin wie die PrEP selbst: unspektakulär, solange er läuft. Genau darin liegt sein Wert. Schutz ist kein einzelner Moment. Er ist ein Rhythmus, den du selbst bestimmst.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Für deine persönliche Situation sind deine PrEP-Praxis, die Aidshilfe vor Ort oder ein Checkpoint die richtigen Ansprechpartner.

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