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21 Aug 2026

Check-up ab 35: was für schwule Männer dazugehört

Check-up, Gesundheit, Impfungen, Vorsorge 21 Aug 2026

Rachen, Enddarm, Urin, Blut. Wer PrEP nimmt, kennt die Abstriche im Quartalstakt und könnte den Ablauf im Schlaf aufsagen. Dann fragt die Hausärztin nach dem letzten Cholesterinwert, und es wird still.

Bei vielen Männern auf PrEP ist die sexuelle Gesundheit besser durchgetaktet als alles andere. Ab 35 lohnt es sich, beides zusammenzubringen. Der Check-up ist in Deutschland Kassenleistung, am Zugang scheitert es also selten. Eher an der Liste: Wer nur „einmal durchchecken, bitte“ sagt, bekommt den Standard. Der ist solide, ein paar Punkte musst du aber selbst auf den Tisch legen.

Was die Kasse ab 35 bezahlt

Gesetzlich Versicherte haben ab 35 alle drei Jahre Anspruch auf die Gesundheitsuntersuchung, in den Praxen meist Check-up 35 genannt. Zwischen 18 und 34 gibt es sie einmal. Dazu gehören:

  • ein Gespräch über Vorerkrankungen, Familiengeschichte und Lebensstil
  • eine körperliche Untersuchung und Blutdruckmessung
  • Blutwerte: Cholesterin, Triglyceride, Blutzucker
  • ein Urintest
  • ein Blick auf den Impfstatus
  • einmalig ein Test auf Hepatitis B und C

Separat zahlt die Kasse ab 35 alle zwei Jahre das Hautkrebs-Screening: einmal von Kopf bis Fuß, inklusive der Stellen, die du selbst nie zu sehen bekommst. Viele Hausarztpraxen bieten es mit an, sonst die Dermatologie. Beides passt in einen Vormittag. Nüchtern hin, Blut abnehmen, einmal ausziehen.

In Österreich und der Schweiz sind Vorsorge und Kostenübernahme anders geregelt. Die Themen auf der Liste bleiben dieselben.

Impfungen: der Pass in der Schublade

Der Impfstatus gehört offiziell zum Check-up, im Praxisalltag endet das Gespräch aber oft bei Tetanus. Für Männer mit männlichen Partnern sind ein paar andere Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) relevanter.

Hepatitis A und B

Hepatitis A wird über kleinste Spuren von Stuhl übertragen, Hepatitis B über Blut und andere Körperflüssigkeiten. Beide Wege spielen im Intimleben eine Rolle. Die STIKO empfiehlt beide Impfungen bei erhöhtem Ansteckungsrisiko durch das Sexualverhalten, die Kosten übernimmt dann in der Regel die Kasse. Es gibt einen Kombinationsimpfstoff für beide. Wer als Kind gegen Hepatitis B geimpft wurde, kann den Schutz über den Antikörperwert Anti-HBs prüfen lassen.

HPV

Humane Papillomviren sind sehr verbreitet und meist harmlos. Einige Typen verursachen Feigwarzen, andere können über Jahre zu Krebs führen, auch im Analbereich. Die STIKO empfiehlt die Impfung standardmäßig für 9- bis 14-Jährige, nachholen lässt sie sich bis 17. Für Erwachsene gibt es keine allgemeine Empfehlung. Sinnvoll sein kann sie trotzdem, weil sie vor den Typen schützt, mit denen du dich noch nicht angesteckt hast. Manche Kassen zahlen freiwillig, ein Anruf klärt das.

Mpox

Seit 2022 empfiehlt die STIKO die Mpox-Impfung für Männer mit häufig wechselnden männlichen Partnern. Zwei Dosen im Abstand von mindestens 28 Tagen, die Kasse übernimmt die Kosten. Wer damals nur eine Dosis bekommen hat, holt die zweite nach.

Die Untersuchung, nach der kaum jemand fragt

Analkrebs ist selten. Bei Männern mit männlichen Partnern kommt er aber deutlich häufiger vor als im Durchschnitt, besonders mit HIV, und meist steckt HPV dahinter.

Ein Früherkennungsprogramm der Kassen gibt es dafür nicht. Für Männer mit HIV empfehlen die Leitlinien regelmäßige Untersuchungen, alle anderen sprechen es am besten selbst an. Eine Tastuntersuchung dauert eine Minute. Bei Blut, Juckreiz, Knoten oder Schmerzen, die nicht von selbst verschwinden, ist die Proktologie die richtige Adresse. Hämorrhoiden sind häufig, aber nicht alles, was danach aussieht, ist auch eine. Der Termin ist kürzer als die Überwindung davor.

Dazu kommen Tests auf sexuell übertragbare Infektionen. Mit PrEP laufen sie ohnehin alle drei Monate. Ohne PrEP, aber mit wechselnden Partnern, gilt dasselbe Prinzip: regelmäßig testen, und zwar dort, wo Kontakt war. Ein Urintest allein findet keine Infektion im Rachen oder im Enddarm.

Wohin mit der Liste

Check-up und Hautkrebs-Screening gehören in die Hausarztpraxis. Wie weit du dort mit dem Rest kommst, hängt davon ab, wie offen du reden kannst. Lautet die ehrliche Antwort „nicht so richtig“, such dir eine andere Praxis, statt Themen zu streichen. In vielen Städten gibt es HIV-Schwerpunktpraxen, die diese Fragen täglich hören, auch von Männern ohne HIV.

Die zweite Adresse sind die Checkpoints, meist getragen von den Aidshilfen. Dort wird anonym auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen getestet, oft kostenlos oder gegen einen kleinen Beitrag, und es gibt Beratung zu Impfungen.

Für den Zettel in der Jackentasche: Check-up, Hautcheck, Impfpass, Hepatitis-Status, HPV, Mpox, STI-Tests an allen Stellen, die Frage nach der Anal-Untersuchung. Ein Vormittag, ein paar Anrufe. Was davon für dich sinnvoll ist, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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